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PO-Plastisole sind in reaktiven Dispersionsmitteln fein verteilte Polymerpartikel, die aus verschiedenen Polyolefinen, wie z.B. PE, EPDM oder Ethylen-1-Olefinen, hergestellt werden. Die Dispergierung der Polyolefine erfolgt ausgehend von handelsüblichen Granulaten, unter Verwendung reaktiver Dispergatoren auf Acrylat- und Methacrylatbasis mit Hilfe einer speziellen Temperaturführung. Mit verschiedenen Zusatzstoffen können Eigenschaftsmodifizierungen durchgeführt werden, um dem Anforderungsprofil einzelner Anwendungen gerecht zu werden. Die PO-Plastisole enthalten ein Initiatorsystem, das bei 120 - 250 °C zur radikalischen Vernetzung befähigt ist. Die Formgebung erfolgt über die flüssige bzw. pastöse Phase (Rakeln, Streichen, Gießen, Sprühen, Tauchen, Drucken, Spritzgießen), wie auch bei PVC-Plastisolen, so dass bei einer Umstellung von PVC- auf PO-Plastisole die wesentlichen Verarbeitungswerkzeuge weiter verwendet werden können. PO-Plastisole sind chlor-, weichmacher- und schwermetallfrei. Insgesamt stellen die PO-Plastisole eine ökonomische und ökologische Alternative zu den etablierten PVC-Plastisolen dar.
Aufgrund umfangreicher Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sind inzwischen Grundrezepturen vorhanden für die Anwendung von:
- Tauchbeschichtungen
- Planen
- Fußbodenbelag
- Kunstleder
- Solarzellenverkapselungen
- Schaumstoffe
- Siebdruck
- Tapete
- Kfz-Unterbodenschutz
- und schwerer Korrosionsschutz
Ergebnis: Mit dem entwickelten chlorfreien Plastisol auf PO-Basis liegt ein Material vor, dass 1. ökonomisch und technisch mit PVC vergleichbar und 2. ökologisch deutlich überlegen ist.
Ansprechpartner: Thomas Kraberg Tel: 034978/21203 E-Mail: info@iktr-online.de
Eigenschaften der PO-Plastisole
Die Eigenschaften der PO-Plastisole können in einem weiten Spektrum definiert variiert werden, wobei der Fokus stets auf der Phasenanbindung zwischen den Kautschukpartikeln und der reaktiven Dispergiermittelmatrix liegt, da diese die mechanischen Eigenschaften der PO-Plastisole entscheidend prägt. Die Rheologie der erhaltenen PO-Plastisole ist von der Temperaturführung bei der Herstellung der feinteiligen Kautschukpartikel abhängig, so dass jedes gewünschte Fließverhalten realisiert werden kann. Die erhaltene Partikelverteilung ist nicht nur von der Temperaturführung, sondern auch von den eingesetzten Polymer- und Dispergierkomponenten abhängig und liegt üblicherweise im Bereich von 5 - 50 µm. Für spezielle Anwendungen können Partikelverteilungen unter 10 µm realisiert werden. Das Härtungsverhalten der PO-Plastisole ist abhängig vom verwendeten Initiatorsystem. Als untere Grenze ist für warmhärtende Systeme ist eine Temperatur von 120 °C anzusehen.
Einstellmöglichkeiten des PO-Plastisols
- Partikelgröße und -verteilung
- Viskosität/Fließverhalten
- Gelierdauer und –temperatur
- Pigmentierung
- Dichte
- Oberflächenbenetzung
Einstellbare Endprodukteigenschaften
- Mechanische Eigenschaften (Dehnung, Festigkeit, E-Modul, Härte)
- Haftung auf verschiedenen Metallen und Kunststoffen inklusive PE und PP
- Verschäumungsgrad
- Chemikalienbeständigkeit
- Lichtdurchlässigkeit
- Abriebbeständigkeit
- Wasserdichtheit
- Permeabilität
- Alterungsbeständigkeit
- UV- und Witterungsbeständigkeit
- Oberflächenbenetzung
- Tauchbeschichtungen Tauchbeschichtungen mit PO-Plastisolen können ähnlich wie mit PVC-Plastisolen durchgeführt werden, indem die zu beschichtenden Formkörper erwärmt und in das kalte PO-Plastisol eingetaucht werden. Anschließend wird der getauchte, mit dem PO-Plastisol beschichtete Formkörper erneut erwärmt, wobei das PO-Plastisol ausgehärtet wird. Dazu wurde das PO-Plastisol hinsichtlich seiner Abtropfneigung und Verlaufseigenschaften optimiert, so dass in einem kontinuierlichen Verfahren auch bei komplizierten geometrischen Strukturen fehlerfreie Beschichtungen realisiert werden können. Die Abtrennung der erhaltenen PO-Plastisol-Form-körper kann mit einem speziellen Trennmittel erfolgen.
- Verschäumung Die Verschäumung der PO-Plastisole kann mit am Markt verfügbaren Treibmitteln (offen- und geschlossenporig) realisiert werden, so dass das PO-Plastisol auf Papier- oder Gewebebahnen aufgetragen, geschäumt und somit zu Tapeten oder Kunstleder weiterverarbeitet werden kann. Der Verschäumungsgrad kann dabei definiert eingestellt werden. Eine Einfärbung ist ebenfalls möglich.
- Flüssigspritzgießen im Kaltkanalspritzgussverfahren Das PO-Plastisol kann so eingestellt werden, dass es im Flüssigspritzguss im Kaltkanal-spritzgussverfahren eingesetzt werden kann. Dazu wird die entsprechende Spritzmenge in den Spritzzylinder gefüllt und in eine vorgeheizte Form gespritzt. Die Abtrennung der erhaltenen PO-Plastisol-Formkörper kann mit einem speziellen Trennmittel erfolgen. Aus dem neuartigen Material lassen sich Teile von wenigen Zehntel Gramm bis in den zweistelligen Kilogramm-Bereich, wie auch Gegenstände mit hoher Genauigkeit oder auch Massenprodukte in kurzer Zeit herstellen. Dabei kann die Oberfläche des Bauteiles nahezu frei gewählt werden.
- Primer für PE/ PP Die PO-Plastisole weisen eine sehr gute Haftung auf nicht vorbehandelten (Primer, Plasma, Corona) PE oder PP auf. Dabei werden Haftfestigkeiten bis zu 30 N/mm2 erreicht, so dass das Material als neuartiger Primer oder als reines Beschichtungsmaterial eingesetzt werden kann.
- Solarzellenverkapselung Zur Verkapselung von Photovoltaikmodulen werden derzeit EVA-Folien eingesetzt. Alternativ kann das PO-Plastisol als Verkapselungsmaterial eingesetzt werden, wobei der aufwendige Schritt der Vakuumlaminierung entfällt. Dazu wurde mit einem Partnerunternehmen eine Anlage zur Herstellung von Photovoltaik-Modulen gebaut und erprobt. Bei Temperaturen von ca. 140 °C wird das Material in kurzer Zeit gehärtet und die Solarzelle fehlerfrei verkapselt.
- Verkapselung von RFID-Chips Die Verkapselung elektronischer Bauteile, wie z.B. RFID-Chips, kann mit einem PO-Plastisol erfolgen. Dazu wurde eine spezielle Verkapselungsmethode entwickelt, so dass die RFID-Chips vor Umwelteinflüssen geschützt werden können.
- Unterbodenschutz für PKW Der Einsatz der PO-Plastisole als Unterbodenschutz- und Nahtabdichtungsmaterial für PKW ist möglich.
- UV-Härtung/ Siebdruck Die UV-Härtung der PO-Plastisole ist gegenwärtig Bestand einer Forschungskooperation mit dem FILK. Dabei soll eruiert werden, ob eine Härtung der PO-Plastisole mittels UV-Strahlung möglich ist und ob die dabei erzielten Endeigenschaften der UV gehärteten PO-Plastisole mit denen der thermisch gehärteten PO-Plastisole vergleichbar sind. Ziel der Arbeiten ist eine Härtung der PO-Plastisole bei Temperaturen < 120 °C und die Verwendung der PO-Plastisole im Siebdruckverfahren.
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